2022

Andre van Uehm - Fotografie

Klare Linien, farbliche Reduktion & Symbole des Kreislaufs von Werden, Sein & Vergehen in den Landschaftsfotografien von Andre van Uehm

Andre van Uehm: Quercus robur, 2019, i. O. 175 x 130 cm ©2022 Andre van Uehm

 

Egal ob Ivenacker Eichen, schier endlos wirkende Felder, einsame Schaukeln oder steinige Strände – Andre van Uehm fokussiert sich in seinen fotografischen Werken vor allem auf das Festhalten der Schönheit einer vom Menschen umgestalteten Landschaft in Mecklenburg.

 

Den Blick für‘s Detail hat der in Gotha geborene und in Mecklenburg lebende Künstler bereits in seinem ersten Beruf als studierter Landschaftsarchitekt geschärft. In seinem künstlerischen Schaffen inszeniert er flüchtige Zustände als grafische Kompositionen mit Symbolgehalt.

 

In Form von Fotografien setzt sich van Uehm vielschichtig mit der Landschaft seiner Wahlheimat Mecklenburg auseinander. Zyklen wie Nachhalt, Birken, Wege übers Land, Die Kraniche sind anderswo und Play/Stop/Rewind zeigen Bildmotive losgelöst von ihrer jeweiligen Umgebung. Teils auf den ersten Blick auf monochrome Farbigkeit reduziert, wirken die Aufnahmen klar, filigran und bisweilen streng. In anderen fotografischen Serien befasst sich van Uehm vor allem mit dem Spiel von Horizont- und Landschaftslinien. Hier tritt die Reduktion des Räumlichen auf grafische Elemente im zweidimensionalen Bildraum in den Vordergrund. Die Ansichten zeigen nicht nur vom Menschen gestaltete Landschaften, sondern auch sensibel komponierte Bilder.

 

Van Uehms Fotografien eint eine gewisse grafische Strenge, von der gleichermaßen Ruhe und Melancholie ausgehen. Im Œuvre Andre van Uehms finden sich Motive, die (nicht nur) Kennern der Romantik vertraut erscheinen. Motive der Einsamkeit, der Vergänglichkeit, aber auch des ewigen Kreislaufs aus Werden, Sein und Vergehen - wie etwa bewusst vereinzelte knorrige, alte Eichen. Besonders Letztere standen in der Epoche der Romantik symbolisch für die Ewigkeit und für den damit verbundenen immer fortdauernden Kreislauf von Leben, Tod und Auferstehung. Wie es schon Künstler der Romantik in Gemälden und Zeichnungen taten, hält van Uehm im Zyklus Nachhalt Eichen mit ihren erhabenen Erscheinungen fest. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um zeichnerische Chiffren der Baumart, sondern um konkrete Einzelexemplare, die der Fotokünstler stellvertretend porträtiert.

 

Seine Arbeitsprozesse sind teils langwierig und zeugen von Geduld und Sorgfalt. Egal, ob es sich dabei um Arbeitsabläufe der digitalen Postproduktion handelt, mit deren Hilfe die Freistellung geschieht, oder ob van Uehm sich genau plant, bei welchem Wetter, welcher Witterung und welchen Lichtverhältnissen er ein zuvor „im Vorbeifahren“ entdecktes Motiv fotografisch festhalten, ja inszenieren wird.

 

Die Landschaft um uns herum ist schon längst weitestgehend nicht mehr Natur-, sondern Kulturlandschaft: von uns Menschen gestaltet, um uns Menschen zu nutzen und das häufig zu Lasten der Umwelt. In diesem Bewusstsein geht es dem Künstler jedoch nicht darum, negative Eingriffe in die Natur oder gar eine ökologische Katastrophe abzubilden, sondern viel mehr darum, die eigentümliche Schönheit der von Menschenhand gestalteten Landschaften zu bewahren. Dieser differenzierte Blick auf die mecklenburgische Landschaft, den Einfluss des Menschen und die nahezu unerschütterliche Schönheit der Natur zeichnet den Künstler und seine Werke aus.

Text: Karl Mühlbach, Bearbeitung: Caroline Barth

 

 

 

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