Aktuelle Ausstellung

Christin Wilcken – Im alten Wald

Soft Opening: Samstag, 08.08.2020, 11-17 Uhr
Ausstellungszeitraum: 09.08. - 25.9.2020
Caspar-David-Friedrich-Zentrum, Lange Straße 57, 17489 Greifswald

 

Christin Wilcken wurde 1982 in Güstrow geboren und studierte zwischen 2001 und 2007 Kommunikationswissenschaften und Bildende Kunst in Greifswald. 2007 wurde sie mit dem Caspar-David-Friedrich-Preis der Caspar-David-Friedrich-Gesellschaft e.V. ausgezeichnet. Diese Auszeichnung ging damals bereits mit einer Personalausstellung einher, die in den Räumen des Pommerschen Landesmuseums stattfand. Der Caspar-David-Friedrich-Preis bildete dabei nur den Auftakt für viele weitere Preise und Stipendien, die sich Christin Wilcken seither verdient hat. Darunter den Kunstpreis des Freundeskreises “Neue Kunst hat Freunde” in Ahrenshoop im Jahr 2013; den Förderpreis für Nachwuchskünstler des Landes Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2016 sowie mehrere Auslandsstipendien, etwa in Schweden (2007), in Litauen (2014) und jüngst in Finnland (2020), um nur einige ihrer Stipendien zu nennen.

Seit 2015 wird Christin Wilcken durch die von Susanne Burmester betriebene Galerie Circus Eins in Putbus auf Rügen vertreten. Ihre regen Ausstellungsbeteiligungen, eine beachtliche Anzahl an Personalausstellungen sowie die Präsenz ihrer Arbeiten in öffentlichen Sammlungen, wie etwa der Kunstsammlung Neubrandenburg, der Sammlung der Kunsthalle Rostock und nicht zuletzt der Staatlichen Sammlung des Landes Mecklenburg-Vorpommern sprechen für sich bzw. für die Qualität des künstlerischen Schaffens von Christin Wilcken.

 

Die Caspar-David-Friedrich-Gesellschaft e.V. hat Christin Wilcken, ebenso wie alle weiteren Preisträger*innen der vergangenen Jahre, während ihrer künstlerischen Karriere begleitet und so freuen wir uns besonders, in diesem Jahr bereits die zweite Ausstellung von Christin Wilcken in einem Zeitraum von nunmehr acht Jahren in den Räumen des Caspar-David- Friedrich-Zentrums präsentieren zu können. Die letzte Ausstellung mit dem Titel “Objekte und Zeichnungen” im Jahr 2012 mag der* ein oder anderen noch präsent sein. Inzwischen sind etliche neue Arbeiten entstanden, von denen hier eine Auswahl zu sehen ist. Ganz besonders freuen wir uns darüber, Ihnen erstmalig in Deutschland die ganz frischen Ergebnisse aus dem jüngsten Auslandstipendium in Finnland zeigen zu können, die Christin Wilcken im vergangenen Monat unter dem Eindruck der sommerlichen finnischen Landschaft geschaffen hat.

 

Zu ihren Kunstwerken sagt die Künstlerin selbst:

 

“Meinen Arbeiten liegen meist Naturerfahrungen zugrunde, die ich in eine Bildwelt zwischen Fläche und Raum zu übertragen versuche. Zeichnerisch untersuche ich den Bildraum und beziehe die Wahrnehmung des Betrachters ein. Lichtreflexe erscheinen oder verschwinden je nach Lichteinfall.

Indem ich die Zeichnung auf Wandobjekten anlege, erfährt sie eine Ausdehnung auf dem Raum. Beim Zeichnen konzentriere ich mich auf wenige Materialien, wie Graphit, Kohle und Pigmente. Durch serielles Arbeiten erkunde ich Varianten des Zusammenspiels meiner reduzierten Mittel.”

 


Christin Wilcken, aus der Serie "Im alten Wald", 2020, Graphit, schwarzer Farbstift auf Papier, 42 x 32 cm, (© VG Bildkunst, Bonn 2020, Foto: Terho Aalto)

 

Diese Naturerfahrungen bilden auch den Mittelpunkt der aktuellen Werke von Christin Wilcken. So sagt sie über ihre neueste Inspirationsquelle:

 

“Finnland ist eine Gegend zu weiten Teilen bestehend aus ursprünglicher Natur, die die alte finnische Kultur stark geprägt hat. Diese Natur, die undurchdringlichen Wälder, gekennzeichnet von Schatten und Licht und durchbrochen von spiegelnden Seen, bewegt sich in einem Zwischenraum zwischen Realität und Fiktion, Natur- und Geisterwelt. Zwischen Juni und Juli entstand während eines 1-monatigen Arbeitsaufenthaltes der Beginn einer zeichnerischen Auseinandersetzung.”

 

Betrachten wir die dort entstandenen Arbeiten von Christin Wilcken, fällt auch hier zunächst die Reduktion der Mittel, die Begrenzung auf etwa Graphit oder (Un-)Buntstift auf Papier auf. Ausgehend von Sehgewohnheiten bezüglich sonstiger Landschaftsdarstellungen innerhalb der Bildenden Kunst erscheinen die grafischen Elemente in Christin Wilckens Arbeiten nicht nur reduziert und abstrahiert, sondern darüber hinaus herausgelöst aus Zeit und Raum. Sie befinden sich in einer Art Verweigerungshaltung zum menschenüblichen Blick auf Landschaften: keine Horizontlinie trennt das Oben vom Unten, keine räumliche Perspektive verhilft der Betrachter*in beim Verorten ihres* eigenen Standpunktes. Die reduzierte Farbigkeit tut ihr Übriges. Stattdessen fließen, schweben, fliehen zu Solitären verdichtete Elemente durch den Bildraum, deren Fremdheit sich erst im Detail bricht. Im Detail, in der Struktur und Textur der zeichnerischen Spuren, lassen sich bei näherer Betrachtung etwa Lichtspiele wie von sonnendurchflutetem Blätterwerk, Wurzelverschlingungen, Abbruchkanten kleinerer und größerer Felsen, Bachläufe und Seeoberflächen mit und ohne Lichtreflektionen erahnen. Erinnerungen an Landschaften und Erlebnisse in der Natur erscheinen herausgelöst und für den Betrachter unzugänglich in neuen Formen auf das Papier gebannt. Somit tritt der unmittelbaren Naturerfahrung der Künstlerin das Element des Mysteriösen, des Unbekannten und Rätselhaften in ihren Kunstwerken entgegen. Wenn man so möchte, könnte man von einer neuen Art der gesperrten Landschaft sprechen, wie sie häufig in den Landschaftsdarstellungen Caspar David Friedrichs vorkommt. Die Betrachter*in ahnt mal mehr, mal weniger, welche Landschaft als eigentliches Vorbild fungierte, der direkte Blick darauf bleibt ihr jedoch verwehrt. Im OEuvre von Caspar David Friedrich dienen hierzu häufig Bildelemente wie Zäune, Sträucher oder durch Schluchten unzugängliche Landschaften, die den Blick verstellen oder doch zumindest dem ohnehin illusionistischen Eindruck entgegen wirken, die Betrachter*in müsse nur einen Schritt nach vorn wagen, um selbst in der (erhabenen) Landschaft zu stehen.

 


Christin Wilcken, aus der Serie "Im alten Wald", 2020, Graphit, schwarzer Farbstift auf Papier, 42 x 32 cm, (© VG Bildkunst, Bonn 2020, Foto: Terho Aalto)

 

In den Werken von Christin Wilcken weiß die Betrachter*in also nicht, ob es überhaupt einen Boden gibt, auf dem sie* Schritte tun könnte, um sich der zugrunde liegenden Natur anzunähern. Nichtsdestotrotz sind die Elemente der Natur unverkennbarer, immanenter Bestandteil der abstrakten Kunstwerke. Die neuen Formen, die Christin Wilcken zur Darstellung ihrer u.a. Naturerlebnisse findet, führen letztlich auch zu einer neuen und freien Anschauungs- und Empfindungsweise seitens der Rezipient*in.

In der Zeit vom 8. August bis zum 25. September 2020 laden wir Sie herzlich in die Räume des Caspar-David-Friedrich-Zentrums ein, um diese Entdeckungsreise selbst zu unternehmen!

 

Ihr Vorstand der Caspar-David-Friedrich-Gesellschaft e.V.

und

Caroline Barth, Geschäftsführende Leitung des Caspar-David-Friedrich-Zentrums

 

Die Ausstellung wird Ihnen präsentiert in freundlicher Zusammenarbeit mit Susanne Burmester, Galerie Circus Eins.

 

Caspar-David-Friedrich-Zentrum
Lange Straße 57
17489 Greifswald

 

Öffnungszeiten: Di – So, jeweils 11-17 Uhr

 

Eintritt ins CDFZ: 4,50 € regulär | 3,00 ermäßigt * | frei für Kinder unter 12 Jahre und Mitglieder der Caspar-David-Friedrich-Gesellschaft e.V.
* Ermäßigung erhalten: Schüler*innen, Studierende, Auszubildende, Arbeitslosen- und Sozialhilfeempfangende, Menschen mit Behinderung, Inhaber*innen der NDR-Kulturcard sowie der Ehrenamtskarte MV

 

Führungen durch die aktuelle Ausstellungen finden jeweils Mittwochs um 13 Uhr und Freitags um 16 Uhr statt. Begrenzte Teilnehmerzahl! Um (auch kurzfristige) Voranmeldung wird gebeten.

 

Telefon: +49 3834 88 45 68
E-Mail: zentrum@caspar-david-friedrich-gesellschaft.de

Bei Kaufinteresse an Arbeiten von Christin Wilcken wenden Sie sich bitte unter Erwähnung unserer Ausstellung an:

Galerie Circus Eins
Susanne Burmester (Künstlerische Leitung)
Circus 1, 18581 Putbus
Ostseeinsel Rügen
Tel.: +49 151 42 44 66 38
E-Mail: mail@circus-eins.de
www.circus-eins.de